Nachdem Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel seine Forderung von vergangener Woche nach einer Abschaffung von E10 aktuell nochmals bekräftigte, kritisierte der Bundestagsabgeordnete und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., Ökonomierat Norbert Schindler, die Aussagen des Bundesentwicklungsministers scharf und forderte ihn gleichzeitig auf, die Diskussion sachlich zu führen. Die Behauptung, E10 führe zu stärkerem Hunger in der Welt, sei fachlich falsch und unerträglich, so Schindler.

Der Bundesentwicklungsminister hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gefordert, den Ethanolanteil im Kraftstoff (E10) zu stoppen. Offenbar sei dem Minister entgangen, dass lediglich rund 6 Prozent der weltweiten Getreideernte für die Biokraftstoffproduktion genutzt werde. Darüber hinaus werde der CO2-Ausstoß durch den Einsatz von Biokraftstoffen reduziert, stellte Schindler klar.

Außerdem kritisierte Norbert Schindler MdB die Diskussion über die Preissteigerungen von Lebensmitteln. Auch wenn die Getreidepreise in diesem Jahr aufgrund der Dürre in einigen Staaten der Erde höher seien als im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit, sei dies kein Grund für höhere Verbraucherpreise. Um beispielsweise bei Brötchen eine Preissteigerung von nur einem Cent auszulösen, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln. Für 1 kg Mischbrot musste ein Arbeitnehmer im Jahre 1970 noch 16 Minuten arbeiten, heute lediglich noch 11 Minuten, erläuterte Schindler weiter.

Die Landwirte seien im Übrigen in diesem Jahr aufgrund der gestiegenen Produktionskosten auf höhere Preise angewiesen. Nahezu alle von der Landwirtschaft benötigten Betriebsmittel hätten sich in den vergangenen Monaten verteuert, so dass die Landwirte selbst kaum von den Preissteigerungen profitieren könnten. Darüber hinaus sei aktuell annähernd gerade wieder ein Preisniveau wie vor 30 Jahren erreicht, stellte der Bundestagsabgeordnete klar.

Der Verbrauch von E10 sei also keinesfalls für den Hunger in der Welt verantwortlich. Natürlich sei es dramatisch, wenn auch in unserem Jahrhundert noch Menschen in einigen Staaten der Erde hungern müssten. Hierfür seien jedoch nicht die Getreidepreise, sondern in der Regel Bürgerkriege, Korruption und Spekulanten verantwortlich.

Zudem verwehre er sich gegen diese immer wieder gebräuchlichen Argumentationsketten zu diesem Thema. Sofern die Getreidepreise hoch seien, werde kritisiert, die Menschen in Entwicklungsländern könnten sich aufgrund ihres geringen Einkommens nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgen. Seien die Getreidepreise hingegen niedrig, werde argumentiert, es herrsche Hunger, da die Industriestaaten die Entwicklungsländer zu Dumpingpreisen mit Lebensmitteln versorgen. Er sei es leid, sich diese abgedroschenen Floskeln immer wieder anhören zu müssen, so Schindler. Wenn man, wie Bundesentwicklungsminister Niebel aktuell, über eine weltweite Nahrungsmittelversorgung diskutiere, dann sollte dies auf sachlicher Ebene und nicht populistisch mit in „Niebelkerzen eingewickelte fliegende Teppiche" im Sommerloch erfolgen, so der Bundestagsabgeordnete abschließend.